Hearthstone Vorschau: Blizzards nächster Geniestreich?

Als zum ersten Mal das Gerücht herumging, dass die kalifornische Spieleschmiede ein neues Spiel ankündigen würden, überschlugen sich die Spekulationen. Wird es ein neues MMO? Oder ein neues WarCraft-Strategiespiel? Vielleicht wagt man gar den Versuch, eine neue Marke zu etablieren? Mit WarCraft hatte der neue Titel etwas zu tun. Jedoch in einer Form, die so niemand erwartet hatte. Hearthstone ist ein Sammelkartenspiel im bekannten Fantasy-Universum! Und dann auch noch kostenlos spielbar. Was hat es damit auf sich? Wir haben uns in der aktuellen Closed Beta umgeschaut.

Sammelkartenspiel hört sich zunächst nach furchtbar trockener Theorie an. Doch wer nur ein wenig Interesse an tiefer gehender Strategie hat, die aus mehr besteht, als massiv Einheiten zu pumpen und dann den Gegner zu überrollen, der sollte sich mit diesem Genre eingehender beschäftigen. Auch wenn aktuell nur die Closed Beta von Hearthstone läuft, wirkt das gesamte Produkt bereits sehr ausgereift, was eigentlich auch nicht anders zu erwarten war. Blizzard ist dafür bekannt, extrem auf die Qualität seiner Produkte zu achten, bevor die Öffentlichkeit Zugang erhält. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Firmenphilosophie auszahlen wird. Das gesamte Paket fühlt sich sehr stimmig an und fügt sich perfekt in die Welt von WarCraft ein. Wer die Welt kennt, wird sich sofort heimisch fühlen.

Der Auswahlbildschirm der Helden - Mit einem Ausrufezeichen ist gekennzeichnet, welcher Held Quests hat.

Das fängt bereits mit der Auswahl der Helden an, die zur Verfügung stehen. Bekannte Namen wie Paladin Uther Lightbringer oder Hexenmeister Gul’Dan dürften Kennern gut im Gedächtnis verankert sein. Insgesamt neun Charaktere, die jeweils eine Klasse darstellen, können freigeschaltet werden. Durch klassenspezifische Karten wird die Ausrichtung und der Spielstil bestimmt. Je nachdem, ob man lieber aggressiv wie ein Jäger oder Schurke ins Feld zieht, oder doch lieber passiver Natur ist wie der Krieger oder Priester. Für jeden Spieltyp ist etwas dabei. Zusätzlich zu den Klassenkarten gibt es neutrale Karten, die in jedem Deck Verwendung finden können.

Alle Helden von Hearthstone im Überblick:

NameKlasseFertigkeitEffekt
RexxarJägerZuverlässiger SchussFügt dem feindlichen Helden 2 Schaden zu.
Gul’danHexenmeisterAderlassZieht eine Karte und erleidet 2 Schaden.
Jaina PrachtmeerMagierFeuerschlagVerursacht 1 Schaden.
Uther LichtbringerPaladinVerstärkungRuft einen Rekruten der Silbernen Hand (1/1) herbei.
Valeera SanguinarSchurkeDolchbeherrschungLegt einen Dolch (1/2) an; oder Eure Waffe erhält +1 Angriff in diesem Zug
Garrosh HöllschreiKriegerAufrüsten!Erhaltet 2 Rüstung.
Anduin WrynnPriesterGeringe HeilungStellt 2 Leben wieder her.
ThrallSchamaneTotem beschwörenBeschwört ein zufälliges Totem
Malfurion SturmgrimmDruideGestaltwandel+1 Angriff in diesem Zug. +1 Rüstung.

Aller Anfang ist …. einfach!

Habt ihr euch nun für eine der Klassen entschieden, macht es Sinn, den Charakter im Übungsmodus gegen den Computer zu trainieren und Erfahrung zu sammeln. Zum Glück ist das Regelwerk sehr übersichtlich, so dass ihr absolut keine Probleme haben werdet, schnell ins Spiel zu finden. Aus 30 Karten besteht ein Deck. Bei Bedarf kann ein Helfer hinzugezogen werden, der euch eine Reihe von Vorschlägen vorbereitet, so dass ihr euch sicher durch das Portfolio wühlen könnt. Dabei lernt ihr auch viel besser die Eigenschaften der Karten kennen. Unterschiedliche Einheiten, Zaubersprüche, Waffen oder Geheimnisse stehen zur Auswahl. Fortgeschrittene bauen sich ihre Decks selbst zusammen und achten dabei auf eine besonders harmonische Zusammenstellung, um so viele Kombinationsmöglichkeiten wie möglich zu verwenden. Diese können überaus mächtig werden und so den Gegner rasch in die Knie zwingen.

Beginnen wir mit dem Match. Der Start ist sehr gemächlich. Vier Karten werden gezogen, die wir bei Bedarf behalten oder wieder ins Deck befördern können - in der Hoffnung, etwas bessere zu bekommen. Lediglich ein Mana steht zur Verfügung, mit dem wir noch nicht viel anfangen können. Mit etwas Glück haben wir eine Karte, die uns einen Extrapunkt spendiert oder sogar eine sehr niedrige Einheit gezogen, die wir sofort ausspielen können. Angreifen kann diese jedoch in der Regel erst ab der zweiten Runde, wenn sie nicht über eine Spezialfähigkeit besitzt. Mit jeder Runde erhöht sich der Manapool um einen Punkt, bis das Maximum von zehn erreicht wurde. Dadurch wird jede Runde spannender, da immer bessere und vor allem mehr Karten ausgespielt werden können. Ziel jedes Matches ist es, die 30 Lebenspunkte des gegnerischen Heldens auf null zu bringen. 

Noch geringer Umfang, jedoch beachtliche Tiefe

Zwar ist die Anzahl der Karten im Vergleich mit den großen Konkurrenten wie Magic: The Gathering oder Yu-Gi-Oh eher gering, jedoch die taktischen Möglichkeiten bereits ausgereift. Stellt euch zum Beispiel ein Deck aus Wildtieren wie Hyänen, Raptoren und Wölfen zusammen, die sich gegenseitig Stärke verleihen. Murlocs oder Piraten gehören ebenso zum Ensemble wie Zwerge, Elfen, Trolle oder Riesen und Drachen. Zaubersprüche lassen Gegner einfrieren, in verwundbare Schafe verwandeln oder mächtigen Flächenschaden austeilen. Offensive Helden können mit Waffen (natürlich in Form einer Karte) ausgerüstet werden, um deren Angriffe zu stärken. Einheiten mit Spott sind sehr nützlich, da sie immer als Primärziel angegriffen werden müssen. Sehr nützlich, um Schaden vom Helden fern zu halten. Mit der Zeit werdet ihr rasch effektive Kombinationsmöglichkeiten kennen lernen und fortgeschrittene Decks zusammen stellen. Das Ausprobieren selbiger macht dann natürlich noch einmal so viel Spaß.

Habt ihr gegen den Computer ordentlich geübt und neue Helden freigeschaltet oder sogar eigene Kartendecks ausprobiert, solltet ihr euch ins Haifischbecken gegen andere Spieler wagen. Ein Matchmaking-System hilft dabei, ebenbürtige Gegner zusammen zu bringen, was bisher ausgezeichnet funktioniert hat. Für ein bisschen Extraportion Motivation sorgen Quests, die euch einfache Aufgaben stellen, wie eine bestimmte Anzahl an Matches zu gewinnen oder gegnerische Einheiten zu besiegen. Als ultimative Herausforderung gilt die Arena. Allerdings kommt hier schon sehr früh das Free-to-Play-Modell zum Tragen. Um der Arena beitreten zu können, müsst ihr entweder Spielwährung ausgeben oder reales Geld investieren. In der Arena gilt, wer drei Mal verliert, fliegt wieder raus. Erhält jedoch als Belohnung eine zufällige Anzahl an Packungen, die jeweils fünf Karten enthalten sowie Spielwährung und Arkanstaub.

Pay-to-Win oder faires Premiummodell?

Auch wenn sich Hearthstone noch in der Closed Beta befindet, so können Spieler bereits Geld für neue Karten oder den Beitritt zur Arena ausgeben. Wie in jedem anderen Sammelkartenspiel auch können nicht direkt die besten Karten im Spiel käuflich erworben werden. Der Inhalt der Packungen ist immer zufallsgeneriert, so dass sich niemand das perfekte Deck vom Start weg bauen kann. Wer bereit ist, große Summen auszugeben, wird schneller ans Ziel gelangen, aber alles andere wäre auch unfair. Von daher konnten wir keine besonderen Stolpersteine entdecken. Durch Quests und normale Matches kann mit der Zeit ausreichend Spielwährung erspielt werden, um neuen Kartenpackungen zu erwerben oder der Arena beizutreten.

Knapp 45 Euro muss man für 200 Karten (40 Packungen) berappen. Jedenfalls im Moment. Eine einzelne Packung kann für 100 Gold erworben werden.

Ersteindruck: Hearthstone macht einfach Spaß! Einsteiger werden behutsam an die Materie herangeführt. Fortgeschrittene erhalten mit den zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten und unterschiedlichen Helden ausreichend Möglichkeiten in die Hand gelegt, um ausgeklügelte Strategien zu entwickeln. Dieser "Nur-noch-ein-Match-Effekt" funktioniert - und das leider bis spät in die Nacht. Bisher konnten wir keine Features entdecken, die der Motivation hinderlich wären. Von daher: beide Daumen hoch für Hearthstone - Heroes of WarCraft!

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