Blizzard hatte große Pläne für die PvE-Inhalte von Overwatch 2. Zu große?
Game Director erklärt, warum die Heldenmissionen gestrichen wurde
Vergangene Woche sorgte Blizzard für Aufsehen, als man bekannt gab, die Entwicklung des Heldenmodus von Overwatch 2 eingestellt zu haben. Gemeint ist die umfangreiche PvE-Erfahrung mit Talentbäumen für jeden Helden, die einen hohen Wiederspielwert hätte bieten sollen. Diese Ankündigung hat die Fans regelrecht erzürnt. Die PvE-Komponente war immerhin das Element, was aus Overwatch 2 einen vollwertigen zweiten Teil hätte machen können (was es bislang ganz und gar nicht ist).
Nun ist es nicht so, dass Blizzard gar nicht mehr an PvE-Inhalten für Overwatch 2 arbeitet, wie Game Director Aaron Keller in einem Beitrag auf der offiziellen Webseite des Spiels klarstellt. Was nach wie vor kommen soll, sind die Story-Missionen, die eine lineare Geschichte erzählen, Zwischensequenzen bieten und auf riesigen Karten stattfinden werden. Ab Saison 6 sollen diese Inhalte ihren Weg ins Spiel finden. In den kommenden Wochen wolle Blizzard mehr Details dazu preisgeben.
Die Heldenmissionen hingegen werdet ihr niemals spielen können. Der Grund dafür: Die Ambitionen seien so groß gewesen, dass das Entwicklerteam sie nicht habe erfüllen können. "Wir haben versucht, zu viele Dinge auf einmal zu tun, und haben dabei den Fokus verloren", so Keller. "Das Team hat einige wirklich großartige Dinge entwickelt, darunter Heldentalente, neue gegnerische Einheiten und frühe Versionen von Missionen, aber wir waren nie in der Lage, alle Elemente zusammenzubringen, die für ein ausgefeiltes, zusammenhängendes Erlebnis nötig waren."
Die Vision sei so riesig gewesen, dass man mehr und mehr Ressourcen dafür aufgewendet hat, sie zu realisieren, worunter die Weiterentwicklung des Live-Spiels gelitten habe. Zuletzt habe man das Gefühl gehabt, die hohen Erwartungen der Spieler gar nicht mehr erfüllen zu können. Die Entscheidung, den Heldenmodus fallen zu lassen, sei keine leichte gewesen. "Das war schwer für uns, aber als Leiter dieses Projekts muss ich mein Bestes tun, um Entscheidungen zu treffen, die das Spiel und die Community in den Vordergrund stellen, selbst wenn diese Entscheidungen enttäuschend sind", sagt Keller. "In diesem Fall fiel es mir schwer, von einer Vision abzurücken, die einfach nicht funktioniert hat. Und dafür möchte ich mich bei unseren Spielern und bei unserem Team entschuldigen. Es tut mir leid."
Ziemlich interessant ist übrigens, dass die PvE-Inhalte von Overwatch 2 ursprünglich mal nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einem richtigen MMO sein sollten. Der eine oder andere mag sich noch daran erinnern, dass Blizzard einst ein zweites Online-Rollenspiel nach World of Warcraft in Entwicklung hatte, das den Arbeitstitel Project Titan trug. Die Entwicklung wurde nach vielen Jahren eingestellt und die bis dahin entstandenen Assets hat das Unternehmen für Overwatch verwendet. Der Plan war es aber, irgendwann doch noch ein MMO zu produzieren, wie Aaron Keller erzählt: "Wir hatten einen Plan: kriechen, gehen, laufen. Overwatch war das Kriechen, eine dedizierte PvE-Version war das Gehen und ein MMO war das Laufen. Das war von Anfang an in der DNA des Teams verankert und einige von uns betrachteten das finale Spiel als eine echte Umsetzung der ursprünglichen Version von Project Titan." Da Keller hier die Vergangenheitsform verwendet hat, ist davon auszugehen, dass dieser Plan mittlerweile auch aufgegeben wurde.