Mit drastischen Maßnahmen versucht die südkoreanische Regierung, gegen die um sich greifende Online-Spielsucht vorzugehen. Mit nächtlichen Abschaltungen und elterlicher Zugangskontrolle sollen vor allem Jugendliche von den zeitaufwendigen Spielen ferngehalten werden.
Der stark wachsende Markt für Onlinespiele stellt Südkorea vor soziale Herausforderungen. Wie der Korea Herald berichtet, verbringt eine zunehmende Zahl an Bürgern, vor allem Jugendliche, nicht nur ganze Tage, sondern mitunter mehrere Wochen ohne Unterbrechung in virtuellen Spielwelten und vergisst die Realität – mit teilweise erschreckenden Folgen. Nach dem Bekanntwerden mehrerer Todesfälle als Folge massiven Spiele-Missbrauchs und dem Tod eines Neugeborenen, das von seinen spielenden Eltern vernachlässigt wurde, sieht sich die das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus nun zum Handeln gezwungen. Mit Zensurmaßnahmen sollen besonders Jugendliche künftig vom Spielen abgehalten werden.
Zwei Möglichkeiten sieht der südkoreanische Weg vor. Einerseits sollen mit dem "Nighttime Shutdown" zu Schlafenszeiten Spielerkonten deaktiviert werden. Wahlweise zwischen 0 und 6, 1 und 7, oder 2 und 8 Uhr morgens werden die Spieler hierbei von ihren virtuellen Spielcharakteren getrennt.
Die zweite Variante sieht eine Drosselung der Internetgeschwindigkeit bei Spielern vor, die mindestens sechs Stunden am Stück in einem Spiel verbringen. Nach Ablauf dieser Zeit wird die Verbindung so weit verlangsamt, dass die Spiele praktisch nicht mehr flüssig laufen. Derzeit wird das System an vier beliebten Spielen getestet und soll schließlich auf 19 Titel ausgedehnt werden, die zusammen fast 80 Prozent des südkoreanischen Spielemarktes ausmachen.
Inwieweit die Sperren tatsächlich zur Reduzierung des Spiel-Volumens beitragen können, bleibt wohl abzuwarten. Kritiker bemängeln, die computer-affinen Spieler würden zu rasch Wege finden, die Barrieren zu umgehen. Die Hersteller der 19 betroffenen Spiele hingegen sehen sich benachteiligt und verweisen auf Titel ihrer Konkurrenten, die angeblich zeitaufwendiger seien. Wann das System in vollem Umfang in Kraft treten wird, ist noch nicht bekannt.