Candy Crush Saga Test: Süchtig sein war noch nie so lecker!

Da hat einer eine Idee mit Suchtpotenzial und schon wird sie zu Dutzenden, wenn nicht hundertfach reproduziert und wiedergekaut, bis das Spielprinzip ausgelutscht ist. Abgesehen von Details unterscheiden sich die Nachahmer dann meistens nur wenig voneinander. Und trotzdem ist jeder Spielebetreiber der Meinung, etwas besser als alle anderen zu machen und zur neuen Heimat der angewachsenen Fangemeinde zu werden. Bestes Beispiel für eine Klonflut sind Spiele der sogenannten 3-Gewinnt-Kategorie à la Bejeweled, Jungle Jewel und Co. Das Wie ist kinderleicht, der Suchtfaktor enorm. Aus der Masse der kostenlosen Match-3-Games sticht derzeit Candy Crush Saga, ein zuckersüßes Onlinespiel, das ebenfalls auf gängigen Smartphones und Tablets läuft. Der Clou der besseren Kopie scheint gelungen, denn diese Variante läuft so erfolgreich wie kein anderes Facebookgame. Wir fragen uns, was ist bei Candy Crush Saga eigentlich anders als bei all den anderen? Schon auf den ersten Blick ist klar, dass wir in diesem Spiel mit den sonst so oft genutzten Juwelen nichts anfangen werden. In Candy Crush Saga begegnet uns vielmehr jedwede Art an Kariesproduzenten und Kalorienbomben. Das allein kann’s aber nicht sein, denn das machen auch andere ausgefallenere Vertreter. Also lieber gleich die Probe aufs Exempel und hinein in die Zuckerschlacht! In wochenlang durchzechten Nächten sind wir auf die Jagd nach virtuellen Süßigkeiten gegangen, haben uns durch Schokolade und Gelee gebissen und verkünden nun stolz: Level 97 ist geschafft!

Ohne Ticket keine Reise durchs Schlaraffenland

Wie ein Kind, das seine bisher größte Reise ins Traumland unternimmt – das sind wir bei unserem Einstieg in Candy Crush Saga. Das kleine Mädchen hüpft von Level zu Level und besucht die Zuckerstadt, unser erstes Gebiet im Spiel. Im weiteren Verlauf erkunden wir Gegenden wie die Bonbonfabrik, den Limonadensee und die Pfefferminzwiese. Im Gegensatz zur Masse der 3-Gewinnt-Spiele im Netz versuchen uns die Entwickler also eine Art Hintergrundgeschichte zu bieten anstatt zusammenhangslos ein Spielfeld nach dem anderen aufzutischen. Ein Abschnitt, Episode genannt, besteht aus 10 bis 15 Level und bringt jedes Mal ein neues Spielelement hinzu. Anfangs schlagen wir uns nur mit hartnäckigem Gelee oder Früchten herum, später erweitern aber einige echte Gemeinheiten das Angebot.

Am Ende jeder späteren Episode treffen wir auf die Aufträge. Erstmals also nach Level 20. Diese besonderen Herausforderungen sind eigentlich abgewandelte Versionen bereits geschaffter Level. Kniffliger ist eher das Freischalten der Aufträge. Insgesamt müssen drei der Sonderaufgaben bewältigt werden, damit wir weiterreisen dürfen. Mit Geldeinsatz geht’s sofort weiter, klar. Aber als Kostenlos-Spieler treffen wir auf unsere erste, echte Hürde. Während in der App für Smartphones und Tablets der erste Auftrag gleich angegangen werden kann, brauchen wir in der Socialgame-Version die Hilfe unserer Facebook-Freunde. Das ist unterste Schublade der Variante: „Nerve jeden, den du kennst mit regelmäßigen Anfragen oder du kommst nicht weiter.“ Waren wir über dieses Zeitalter des massiven Freundezuspammens nicht schon einmal hinaus? Wie auch immer … ohne Tickets oder die von Echtgeld gekauften Goldbarren keine Chance. Ganz, ganz schlecht fürs Karma und für unsere Wertung.

Süßigkeiten sind Herzenssache
Jedes bereits gespielte Level können wir wiederholen, vorausgesetzt wir haben noch ein Herz über. Erreichen wir ein Levelziel nicht, verlieren wir nämlich ein Leben. Bis zu fünf davon haben wir normalerweise, jeweils ein Herz erhalten wir nach 30 Minuten dazu, sollte das Maximum nicht erreicht sein. Natürlich können wir uns Extra-Leben auch kaufen. Oder wir schauen uns Werbespots von Sponsoren an.

Bleibt uns nur erst mal nur, die schon bestandenen Level erneut anzugehen, um mehr Sterne und eine höhere Punktzahl rauszuholen. Die jeweilige Aufgabenstellung und, wie gut wir uns geschlagen haben, erkennen wir dabei schon auf der Karte. Das Zeichen auf den Haltepunkten unserer Route durchs Traumland gibt Aufschluss darüber, ob unser Gegner als wabbelndes Gelee oder die tickende Uhr daherkommt.   

Level 6 ist ein Geleelevel.

Gesegnet seien die Farbbomben!

Damit wir auf dem Weg nicht den Mut verlieren, spielen wir nach und nach auch Hilfsmittel frei. Die Booster, die wir unterwegs aufsammeln, sorgen wirklich für Motivation. Beispielsweise können wir unliebsame Bonbons einfach wegklöppeln oder in Fische umwandeln. Oder wir nutzen kostenlose Zusatzzüge, Extrazeit oder Spezialkonfekt, um das Levelziel zu erreichen. Hilft alles nichts, bleibt uns immer noch der Weg in den Shop. Auch wenn es uns in den Fingern juckt und wir die kleinen Helferlein bei der erstbesten Gelegenheit verballern wollen: Ein paar knallharte Prüfungen stehen uns noch bevor, da ist Sparsamkeit oberstes Gebot. Nicht nur Kollegen haben sich wochenlang an dem einen oder anderen Level die Zähne ausgebissen, da sind dann ein paar Gummifische oder die fünf Extrazüge äußerst willkommen. Unsere Lieblings-Booster sind aber die Farbbomben. Die braune Superkugel lässt eine Sorte Bonbons komplett vom Feld verschwinden. Das bietet gleich mehrere Vorteile: Erstens erreichen wir so viele, auch schwer zugängliche Felder. Zweitens erhöhen sich nach dem Blitzangriff die Kombinationsmöglichkeiten extrem, da die verbliebenen Bonbonsorten viel häufiger zusammenfinden. Das volle Potenzial der Farbbomben entfaltet sich jedoch erst, wenn wir sie mit anderen Spezialsüßigkeiten vereinen. Habt ihr zum Beispiel schon mal zwei dieser seltenen Fünf-in-einer-Reihe-Leckerlis kombiniert? 

Fordernd und motivierend

Die ausgewogene Spielbalance ist ein weiteres Element, das Candy Crush Saga von anderen Vertretern des Genres abhebt. Der Mix aus leichten und echt schweren Runden wirkt ausgeglichen, selbst wenn oder gerade weil wir manchmal Dutzende Anläufe brauchen, um ein Level zu schaffen. Wir beginnen automatisch vorausschauender zu ziehen und abzuschätzen, wenn die Züge knapp werden oder die Haselnuss einfach nicht dorthin fallen will, wo sie hinsoll. Ein Quäntchen Glück bei guten Startbedingungen kann natürlich nicht schaden, aber generell ist die Balance fordernd, ohne viel Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn nur nicht diese Flaute in Form der Aufträge wäre … Da mit jeder Episode immer noch kniffligere Hindernisse und Herausforderungen Einzug halten, bleibt das Spiel erstaunlich abwechslungsreich. Aufbau und Design einzelner Haltestationen unserer Reise sind dabei teilweise gut durchdacht und machen wirklich Spaß, wie beispielsweise Level 33 oder 65. Auch die Hintergrundmusik ist nach dem zehnten Mal Anhören zu ertragen.

Pro
Absolut hoher Suchtfaktor
Eine kalorienfreie Reise durchs Schlaraffenland
Viele verschiedene Booster
Zusätzliche Leben in der Facebook-Version
Guter Spielfortschritt in der Mobile-Version
Contra
Zwang, Facebook-Freunde zu nerven...
...oder den Shop zu nutzen

5/5 Sterne

Fazit: Hochgradig ansteckend!

Wirklich lecker ist Candy Crush Saga eigentlich nur auf dem Handy oder Tablet. Die Aufträge am Ende eines Gebiets sind auf dem Android-Smartphone oder dem iPad nämlich auch spielbar, ohne die eigenen Facebook-Freunde zuzuspammen oder im Shop vorbeizuschauen. Trotzdem, selten haben wir ein Spiel erlebt, das dermaßen süchtig macht. Eine kurze Runde zwischendurch ist immer drin, nur bleibt’s bei einer irgendwie nie. Wenn nach fünf verlorenen Leben nicht eine Zwangspause anstünde, hätten wir schon öfter Nahrungsaufnahme oder Toilettengang vergessen. Midasplayer hat in Sachen Einstieg und Gamebalance die richtige Mischung gefunden, um länger am Ball zu bleiben und um aus dem Gros der 3-Gewinnt-Spiele herauszustechen. Wir wurden in einen Süßigkeitenstrudel hineingezogen, aus dem wir bislang noch nicht wieder herausgefunden haben.

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