Tribal Wars 2 Vorschau: Von betrunkenen Spionen und übermächtigen Eselskarren

Eigentlich kann ja nicht viel schief gehen. Mit über elf Jahren Erfahrung in Sachen Online-Strategiespiele und einer nach wie vor engagierten „Die Stämme“-Community müsste InnoGames schon grobe Fahrlässigkeit walten lassen, wenn aus dem neuen Titel der Hamburger Spieleschmiede nichts wird. Dementsprechend hoch sind aber auch die Erwartungen an den offiziellen Nachfolger Tribal Wars 2. Nicht nur in grafischer Hinsicht müssen gleich mehrere Schippen drauf gelegt werden, auch das Konzept selbst sollte konsequent weiterentwickelt werden, um außer erfahrenen Stammesfürsten noch jemanden hervorzulocken. Die von InnoGames selbst formulierte Losung für Tribal Wars 2 ist daher: Das, was Die Stämme jahrelang erfolgreich gemacht hat, beizubehalten und trotzdem mit der Zeit zu gehen. Oder anders gesagt: etwas Neues zu züchten, ohne dabei den Kern zu verletzen. Diese Woche startete die Closed Beta von Tribal Wars 2 und wir können uns selbst davon überzeugen, ob das Pflänzchen erste Blüten treibt.

Grundelemente bleiben mit neuen Features

Auf den ersten Blick wird klar: Das ist immer noch Die Stämme. Das gleiche Gameplay mit Fokus auf kollektive PvP-Schlachten, Burgenausbau und Kampfberichten. InnoGames fasst das alte Grundprinzip nicht an, führt beispielsweise kein rundenbasiertes Kampfsystem wie in Forge of Empires oder unterschiedliche Fraktionen ein. Es bleibt beim bekannten Plündern, der Unterscheidung zwischen Offensiv- und Defensiv-Einheiten sowie der Übernahme feindlich gesinnter Siedlungen durch Adelsgeschlechter. Später kommen groß angelegte Stammeskriege um Provinzen hinzu. Premium-Funktionen sind InnoGames zufolge wie im Vorgänger auf Wartezeitverkürzungen ausgelegt, der Premium-Account entfällt jedoch. Interaktionen unter den Spielern finden nach wie vor via Nachrichtensystem und Stammesforum statt. Weitergehende Zusammenarbeit wird in Zukunft über einen stammesweiten Adelsplan und eine gemeinsame History möglich. Neue Features wie diese sind insbesondere für diejenigen wichtig, die direkt zusammenspielen. Multi-Accounts in Tribal Wars 2 sind laut Entwickler nämlich ausdrücklich erlaubt! Bis zu drei Stammesmitglieder können gemeinsam ein und denselben Account verwalten. Auch eine Einladung von außerhalb soll möglich sein.

Spionage auf neuem Level

Schon in dieser frühen Entwicklungsphase wirkt Tribal Wars 2 sehr ausgereift. Dass man sich bei der Entwicklung neuer Spielfunktionen wohl das Feedback der „Die Stämme“-Community zu Herzen genommen hat, davon zeugen in erster Linie die sogenannten Presets. Das sind vorab speicherbare Truppenzusammenstellungen, über die dann mit einem Klick bestimmte Truppen rekrutiert oder Armeekonfigurationen losgeschickt werden. Daumen hoch dafür, denn das erspart uns eine Menge Klick-Arbeit im weiteren Verlauf. Zudem werden mit dem Hospital und der Taverne neue Gebäude eingeführt. (Die Schmiede aus dem alten Die Stämme entfällt dafür.) Das Hospital heilt einen Teil der verteidigenden Einheiten eines Dorfes nach einem Angriff. Die Taverne ist in Tribal Wars 2 der Ort für Spionage und ersetzt das Postieren von tausenden Spähern zur Informationsbeschaffung. Maximal fünf unsichtbare Spione erledigen fortan den Job. Sie können einerseits Infos von gegnerischen Siedlungen entweder zu stationierten Einheiten oder zu Gebäuden einholen oder andererseits für Gegenmaßnahmen sorgen. Darunter fällt zum Beispiel das Streuen falscher Infos in Spionageberichten. Die Einheitenanzahl verschiedener Truppengattungen könnte miteinander vertauscht sein. Oder ein Gebäude wie die Verteidigungsmauer taucht im Report feindlicher Spione gar nicht auf. Wird ein Agent beim Beschaffen von Informationen erwischt, ist es sogar möglich, dass er selbst Auskünfte weitergibt und wir auf diese Weise Infos vom Aggressor erhalten. Die Taverne erweitert das bekannte Spionage-Feature aus dem alten Browsergame um eine zusätzliche Ebene.

Templer, Teutonen oder Diebe?

Mittels eines anderen neuen Gebäudes ist im späteren Spielverlauf noch eine Spezialisierung möglich. Mit Hauptquartier-Stufe 25 schalten wir die Halle der Orden frei, die uns die Entwicklung in eine von drei unterschiedlichen Ausrichtungen gewährt. Als Mitglied der Tempelritter beispielsweise haben wir Zugriff auf die offensive Spezialeinheit Berserker, die stärker wird, wenn wir gegen eine überlegene Streitmacht zu Felde ziehen. Treten wir dem Orden der Teutonischen Ritter bei, können wir Tribuchets nutzen – eine defensive Einheit, die speziell beim Kontern von Belagerungswaffen glänzt. Mit der Diebesgilde als dritte Spezialisierungsoption stärken wir unsere Spionageaktivitäten. Die einzelnen Orden bieten noch weitere Vorteile wie geringere Kosten für Angriffseinheiten (Templer), Kavallerie (Teutonen) oder Münzen zum Adeln (Diebesgilde). Wichtig ist zudem, dass wir für jede unserer Burgen eine neue Ausrichtung vornehmen können und auf diese Art Off- und Def-Dörfer stärken.

So könnte unsere Burg einmal aussehen.

Pay-to-Win-Generäle?

Ebenfalls neu für "Die Stämme"-Spieler sind die Generäle. Entscheiden wir uns, diese Einheiten in die Schlacht mitzunehmen, verfügt unsere Armee über beeindruckende Vorteile. Der Großmeister zum Beispiel erhöht die Kampfstärke unserer Truppe, während wir dank Eselskarren schneller unterwegs sind und darüber hinaus 50 Prozent mehr Beute nach Hause schleppen können. Hier ein Überblick:

NameKosten pro Einheit:*Eigenschaft:
Grandmaster13 CentErhöht die Kampfstärke einer angreifenden Armee um zehn Prozent.
Master of Loot11 CentErhöht die Tragefähigkeit einer angreifenden Armee um 50 Prozent. Bei einem Angriff auf Barbarendörfer beschleunigt sich zudem die Laufgeschwindigkeit auf die von Kavallerie.
Doctor13 CentVerringert die Verluste einer angreifenden Armee um zehn Prozent.
Deceiver26 CentVerlangsamt die gesamte Armee auf die Geschwindigkeit von Adligen.
Tactician11 CentErhöht die Reisegeschwindigkeit einer unterstützenden Armee auf die Geschwindigkeit von Kavallerie.
Ranger31 CentDie Armee nimmt an keiner Schlacht teil. Würde sie eine totale Niederlage erleiden, kehrt die Armee anstatt dessen nach Hause zurück.

* Werte gerundet beim Kauf der Premium-Währung unter Nutzung des besten Kronen-Euro-Verhältnisses und aller möglichen Rabatte zu den aktuellen Preisen vom 26. Juni 2014.

Generäle machen jeweils nur einen Einsatz mit. Nachschub gibt's im Shop für Kronen.

Diese besonderen Einheiten können im Shop des Spiels für die Premium-Kronen erworben werden und verbrauchen sich nach einmaligem Einsatz. Wir erhalten aber auch unterschiedliche Generäle einfach so über Quest-Fortschritte. Solange die Möglichkeit gegeben ist, später Kronen regelmäßig durchs Spielen zu ergattern, etwa durch tägliche Login-Boni, Achievements oder Events, wirkt sich der Vorteil durch die Generäle nicht allzu sehr auf die Free-to-Play-Balance aus. In der aktuellen Version haben wir davon jedoch noch nichts gesehen. Ersteindruck:

Für den Moment scheint die Saat aufzugehen. Die Stämme ist konsequent weitergedacht worden. Tribal Wars 2 bietet Altbewährtes mit größtenteils sinnvollen Ergänzungen in einer optisch ansprechenden Verpackung. Dazu kommen synchrone Spielbarkeit mit Multi-Accounts sowohl im Browser und später auch auf mobilen Endgeräten. Das stark erweiterte Spionagesystem sorgt für spannende PvP-Kämpfe, noch bevor die ersten Armeen überhaupt losgezogen sind. Die Spezialisierung unserer Dörfer durch die Ordenszugehörigkeit bringt zusätzliche Würze. Einzig die Macht der Generäle sorgt für Stirnrunzeln. In der aktuellen Fassung wären Bezahlspieler vom Start weg im Vorteil.

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